Archiv für September 2010

“Effizienzsteigerung” – Unwort des Jahres

Donnerstag, 09. September 2010

Vor einigen Jahren hat mir ein alter Freund – knapp 78 Jahre alt, erfolgreicher und erfahrener Unternehmer – den Unterschied zwischen effizient und effektiv so erklärt, dass ich es nie wieder vergessen habe (was übrigens auch einer seiner Prognosen war):

“Wenn unter deinem Schreibtisch der Papierkorb brennt, kannst Du das Feuer mit einer Flasche Champagner löschen. Das wäre effektiv. Alternativ könntest du ihn mit Wasser löschen – das wäre dann effizient”.

Wenn also in werbewirksamen Verkaufsprospekten und Powerpoints von “Effizienzsteigerung” die Rede ist, dann ist das aus meiner persönlichen Sicht gelinde gesagt, meist Unsinn. Wenn etwas bereits effizient ist, dann ist es gut. Es sei denn, die Umstände haben sich geändert. Hat sich die Technik soweit entwickelt, dass Champus aus dem Nichts erzeugt wird und gleichzeitig Wasser knapp ist, mag es effizient sein, mit Champus eines jungen Jahrgangs zu löschen, statt das Feuer lodern zu lassen - während die alten Schätze im Keller bleiben.

Wie komme ich darauf? Immer wieder werden mir schaurige Berichte angetragen, woher Marketing’ler oder Geschäftsführer ihre Zahlen bekommen. Um ganz unten anzufangen, gibt es Kontoauszüge, aus denen der Umsatz berechnet wird (Haben = Umsatz, Soll = [irgendwelche] Kosten). Dann gibt es Excel-Access-Kombinationen, die zwar korrekte Daten liefern (effektiv), die aber Veränderungen überhaupt nicht mögen – und im Fehlerfall nur noch von den Autoren angepasst werden können. Es gibt Datenbanken, die jeden Tag per Hand mit Zahlen aus Google Analytics gefüttert werden – wenn der wissende Mitarbeiter im Hause ist (ein bisschen effektiv).

Was wir unseren Kunden letztendlich verkaufen, ist Effizienz. Keine fehleranfällige Handarbeit, sondern qualitative Datenquellen, schnelle Verarbeitung, und eine einzige, korrekte und vergleichbare Sicht auf die Kennzahlen. Mehr nicht…

Herzlichst, Torsten Katthöfer

Google und die Zukunft

Donnerstag, 02. September 2010

Heute Mittag war ich bei Google zum Lunch eingeladen. Dies an sich ist noch nicht bemerkenswert, abgesehen davon, dass die Google eigene Kantine bequemst auch für ein nettes Freitagabend Dinner zu gebrauchen wäre – nur den Rotwein konnte ich nirgends entdecken.

Beeindruckt haben mich drei Dinge:

1. Ein aufgeregter älterer Herr, der sich bei der geduldigen Dame am Empfang vergewissern wollte, dass durch die Fahrzeuge von Google (StreetView) sein Haus nicht zusätzlich VERMESSEN wurde. Trotz aller Bemühungen konnten ihm nicht alle Zweifel genommen werden – und ich frage mich, was das Probleme WÄRE, selbst wenn auf den Autos zusätzlich LASERSTRAHLEN zur Vermessung eingesetzt WÜRDEN. 

2. Die im Empfangsbereich an eine Wand projezierten (und gefilterten, wie ich erfuhr) realen Suchanfragen – Live. Da kann man stundenlang zusehen…

3. Das Wissen um die Zukunft des Internets. Allein durch die sich verändernden Suchanfragen erkennt Google schon Trends, bevor sie welche sind. So mag es vielleicht dahingehen, dass bei einer Suche nicht mehr Links auf irgendwelche Seiten erscheinen, sondern direkt das gesuchte Produkt mit Preisen und Erwerbsmöglichkeiten. Es ist vorstellbar, das bei einer Suche eines Fluges von NewYork nach Hamburg direkt entsprechende Flüge vergleichbar und buchbar gezeigt werden, und dies auch auf mobilen Geräten. Was wird das für Konsequenzen auf unser Leben haben? Wieviel Zeit verbringen wir jetzt mit Recherchen, und wie viel davon ist eigentlich Zeitverschwendung?

In der Tat ist es ja spätestens seit dem suchmaschienenoptimierten Wikipedia so, das offene Fragen durch das Internet in der Regel innerhalb kürzester Zeit meist fundiert beantwortet werden können. Bislang muss man sich dafür aber noch an eine Tastatur bemühen. Schon vor einem Jahr sah ich eine App (Heißt das bei Android auch so?) im Google Phone, mit der man ein Foto von einem Logo oder einem Etikett aufnehmen konnte – und schon Sekunden später gab es reichlich brauchbare Informationen dazu. Wenn man das mal weiterspinnt (Gebäude, Pflanzen, Gesichter, …), dann wird es sicherlich interessant. Vermeidbar ist es ohnehin nicht.

Für uns natürlich brennend interssant sind die Unmengen von Daten, die anfallen. Der Wettbewerb im ECommerce wird nicht weinger, Livestatistiken der Website (Stichwort Website Usebility) ermöglichen, schnell auf Veränderungen im Kaufverhalten zu reagieren. 

Ich bin gespannt auf die Entwicklungen – und habe keine Angst vor Google StreetView…

Herzlichst, Torsten Katthöfer


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